Unterrichtseinsichten
- Schuljahr 2008/2009 - Mathematik 12MA1e
Integralrechnung
2008-10-31
- Wie
man Flächeninhalte von Quadraten, Rechtecken, Dreiecken usw., also
von Figuren mit geraden Seitenkanten, berechnet, wurde in der Sek.I
behandelt.
Jetzt fragen wir uns, wie man Flächeninhalte bestimmen kann, wenn die Seiten der Flächen gebogen sind.
Sie
äußerten gute Vorschläge, aus denen wir sehen
konnten, dass man solche Flächen gut durch Flächen mit
geraden Rändern annähern kann. Aber die Berücksichtigung
des dabei gemachten Fehlers ist sehr rechenaufwändig, wenn sie
überhaupt durchzuführen ist. - Wir haben dann begonnen, ein einfaches Problem zu lösen: Die Fläche zwischen Parabel und x-Achse im Intervall [0,1].
Als
Methode haben wir die Annäherung der wahren Fläche durch
Rechtecke gewählt und kamen durch spezielle Wahl der Rechtecke zu
einer gültigen Abschätzung der wahren
Flächengröße.
Die Überlegungen und Rechnungen können Sie nachlesen in einem Unterrichtsskript,
das zwar für einen Grundkurs erstellt wurde, für uns (mit
mehreren Erweiterungen) aber durchaus auch zu verwenden ist.
2008-11-03
- Bei
der Erstellung der allgemeinen Unter- und Obersummen (Breite der
Rechtecke 1/n) stießen wir auf eine zu berechnende Summe mit
vielen Summanden (siehe Unterrichtsskript Seite 3 oben).
Da
es nicht möglich ist, diese Summe für den Allgemeinfall
(n beliebig) zu berechnen, bedient man sich Formeln, die die Summe
durch einen kurzen Term angeben.
Solch einen Term zu finden ist eine Sache, zu beweisen, dass dieser Term das richtige Ergebnis liefert, eine weitere. - Beispiel: 1 + 3 + 5 + 7 + ... + (2n-1) ist die Summe der ersten n ungeraden ganzen Zahlen.
Einen
Term für die Summe gewinnt man leicht, wenn man sich für
jeden Summanden eine entsprechend Zahl Quadrate aufzeichnet:
Bei 4 Summanden erhält man ein Quadrat der Seitenlänge 4 und der Fläche 42=16.
Bei n Summanden ist dann die Seitenlänge des Quadrats n und der Flächeninhalt n2.
Also gilt 1 + 3 + 5 + 7 + ... + (2n-1) = n2 - Für andere Summen ist es nicht ganz so einfach, den Summen-Wert zu finden.
Ind
er nächsten Stunde besprechen wir, wie man eine Summe wie oben
dargestellt nicht nur durch Anschauung, sondern auch durch Rechnung
beweisen kann.
2008-11-05
- Formeln,
die eine Variable enthalten, die durch alle natürlichen Zahlen ab
einer bestimmten natürlichen Zahl ersetzt werden kann, kann man
geeignet mit dem Verfahren der
Vollständigen Induktion beweisen: - Induktionsanfang:
Zeigen Sie, dass die Formel für irgendein n gültig ist.
(Möglichst das kleinstmögliche n wählen)
- Induktionsschritt:
Nehmen Sie an, dass die Formel für n=k gültig ist (man
wählt den Buchstaben k, um anzudeuten, dass es sich um einen
festen, ganz speziellen n-Wert handelt).
Zeigen Sie nun, dass die Formel auch für n=k+1 gilt.
- Wenn
beide Punkte mit Erfolg beendet wurden, gilt die Formel für
sämtliche n (ab dem kleinsten n, mit dem im ersten Schritt
gearbeitet wurde).
- Begründung:
Wenn man zeigt, dass die
Formel für einen n-Wert gültig ist, wenn sie auch für
den Vorgänger von n gültig war und wenn man z.B. im ersten
Schritt mit n=1 gearbeitet hat,
dann gilt die Formel für n=2, weil sie auch für den Vorgänger n=1 gültig war und
dann gilt die Formel für n=3, weil sie auch für den Vorgänger n=2 gültig war und
dann gilt die Formel für n=4, weil sie auch für den Vorgänger n=3 gültig war und
dann gilt die Formel für n=5, weil sie auch für den Vorgänger n=4 gültig war und
dann gilt die For....... usw. bis in alle Unendlichkeit.
2008-11-07
- Im Rahmen des Themas "Vollständige Induktion" ergaben sich folgende Exkurse:
- Satz von Vieta : (siehe auch hier)
Eine quadratische Gleichung mit den Lösungen x=x1 und x=x2 kann man schreiben als (x-x1)·(x-x2)=0.
Nach Auflösen der Klammern ergibt sich x2-(x1+x2)·x+x1·x2=0.
In der p-q-Form der quadratischen Gleichung x2+p·x+q=0 gilt also mit den Lösungen x1 und x2 für die Werte von p und q: p=-(x1+x2) ; q=x1·x2.
Benutzen kann man den Satz von Vieta, um Lösungen einer quadratischen Gleichung zu raten.
Beispiel: Für x2+8x+12 kommen wegen x1·x2=12 folgende Wertepaare (x1/x2) in Frage: (1/12) ; (-1/-12) ; (2/6) ; (-2/-6) ; (3/4) ; (-3/-4)
Für -(x1+x2) ergeben sich dann der Reihe nach -13 ; +13 ; -8 ; +8 ; -7 ; +7
Das 4. Wertepaar beschreibt also die Lösungen der Gleichung, es gilt x1=-2 und x2=-6 - div und mod
Bei der Einführung der Division im Grundschulbereich gibt man bei nicht aufgehenden Divisionen den Rest explizit an.
Beispiel: 26 : 7 = 3 Rest 5 , denn 3·7+5=26
Mit div bezeichnet man den ganzen Teil des Ergebnisses. Es gilt also 26 div 7 = 3.
Mit mod bezeichnet man den Rest bei der Division. Es gilt also 26 mod 7 = 5.
In
der Mathematik wird mod (für modulo) z.B. genutzt, wenn es um
Teilbarkeitsfragen geht (eine Zahl x ist durch 3 teilbar, wenn x mod 3
= 0)
oder bei der Kryptographie (Verschlüsselung)
- Bei
der vollständigen Induktion ist es sehr wichtig, sowohl den
Induktionsanfang als auch den Induktionsschritt zu beachten.
Beispiele: - Behauptung: n2-n+41 liefert immer eine Primzahl (beim Link unter "Formeln zur Generierung von Primzahlen" nachschauen)
Der
Induktionsanfang ist erfüllt (für die n-Werte von 1 bis 40),
aber der Induktionsschritt lässt sich nicht zeigen (was auch klar
ist, weil der Term für n=41 keine Primzahl liefert. - Behauptung: 3n-4 ist durch 2 teilbar
Hier
kann man den Induktionsschritt zeigen, aber es gibt kein einziges n,
für das der Term durch 2 teilbar wäre (was auch klar ist,
weil 3n immer ungerade ist).
- Zurückgekehrt zum eigentlichen Thema "Integralrechnung" muss nun ein möglichst kurzer Term für die Summe 12+22+32+42+...+n2 gefunden werden.
Man kann zeigen, dass eine Summe der Art 1i+2i+3i+...+ni immer durch eine ganzrationale Funktion vom Grad (= größte Hochzahl) i+1 angegeben werden kann.
Beachten Sie dazu bitte den sehr guten Artikel Potenzsummen, Bernoulli-Zahlen und Eulersche Summenformel von Helmut Richter und Bernhard Schiekel!
Danach ist folgender Ansatz möglich: 12+22+32+42+...+n2 = a·n3+b·n2+c·n+d
Setzt
man für n der Reihe nach die Zahlen 1, 2, 3 und 4 ein, so
erhält man folgendes Gleichungssystem, aus dem die Werte von a, b,
c und d berechnet werden können:
a + b + c + d = 1
8a + 4b + 2c + d = 5
27a + 9b + 3c + d = 14
64a + 16b + 4c + d = 30
Dieses
Gleichungssystem lässt sich gut mit dem Subtraktionsverfahren
lösen (subtrahiere von den unteren Gleichungen jeweils die genau
darüberstehende Gleichung - wende dieses Verfahren mehrmals an).
Man kann aber auch den Taschenrechner dazu verwenden. Siehe bei TI-84-Funktionen auf Seite 2.
Ergebnis: 
2008-11-10
- Die
Anwendung der Formel aus der letzten Stunde brachte uns zum Ergebnis:
Die Fläche zwischen Parabel und x-Achse im Bereich x=0 bis x=1
beträgt 1/3 Flächeneinheiten (siehe Skript).
Soll der Bereich auf x=0 bis x=b erweitert werden, ergibt sich 1/3·b3. - Hausaufgabe zur nächsten Stunde: Die Funktionsgleichung f(x)=x2 austauschen gegen f(x)=x3. Wie groß ist hier die Fläche?
2008-11-12
- Das Ergebnis der Hausaufgabe (f(x)=x3) und das Ergebnis von Flächenberechnungen für f(x)=1, f(x)=x und (wie schon vor Stunden gehabt) f(x)=x2 haben wir in einer Tabelle dargestellt:

- Die naheliegende Vermutung, dass für f(x)=xn gilt A(x)=xn+1/(n+1), haben wir bewiesen durch den Beweis des Fundamentalsatzes der Analysis, auch Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung genannt.
- Weitere Erkenntnisse, auch zur Integralschreibweise, siehe im Skript auf den Seiten 5 bis 7.
2008-11-14
- Mit der Gesetzmäßigkeit
haben wir verschiedene Aufgaben gerechnet. - Zu
berechnende Flächen, die unterhalb der x-Achse liegen, ergeben
sich als negativ orientierte Flächen, d. h. der Wert des
Flächeninhalts ist negativ.
Das führt dazu, dass der
berechnete Wert des Integrals kleiner ist als der wirklich vorhandene
Flächeninhalt. Im Extremfall kann der Wert des Integrals sogar 0
sein, wenn die oberhalb und unterhalb der x-Achse liegenden
Flächenanteile gleich groß sind.
Will man Flächen
berechnen, muss man von den gesamten Bereich so aufteilen, dass man
immer von Nullstelle zu Nullstelle oder von Grenze zu Nullstelle
integriert und dann die Beträge der Teilergebnisse addiert.
2008-11-19
- Übungen/Wiederholungen zur Klausur.
- Die Klausur wird Themen aus folgenden Bereichen enthalten
2008-11-21
2008-11-24
- Besprechung und Rückgabe der Klausur 2 (Lösung)
2008-11-26
- Weitere Anwendungen der Integralrechnung
- Flächeninhalt zwischen 2 Funktionsgraphen, wenn sich die Funktionsgraphen mehrfach schneiden.
- Integralrechnung in der Physik (Zusammenhang zwischen s, v und a, Berechnung der Arbeit bei variabler Kraft, ...)
weiter mit e-Funktion und natürlicher Logarithmus